Vorsätze und Realität

Vor der Geburt des Winzlings machte ich mir nicht viele, aber einige Gedanken über mein Leben mit Baby. Im Nachhinein mag ich es gar nicht zugeben, aber ich konnte einfach nicht verstehen, wie manche Eltern bestimmte Dinge bei ihren Kindern zulassen konnten. Das wollte ich auf jeden Fall besser machen . Die Realität holte mich allerdings, wie so oft, schnell ein und ich warf meine guten Vorsätze über Bord. Alles, was ich in den ersten drei Monaten wollte war, dass mein Baby zufrieden war, nicht schrie und ich die Zeit mit ihm genießen konnte. Wie, das wurde mir ziemlich schnell egal.

 

Hier also eine Liste meiner guten Vorsätze und dem, was daraus geworden ist:

 

Vorsätze

Wir wollten keinen Schnuller geben, wozu sollen wir dem Baby eine Sucht antrainieren, die er und wir hinterher wieder mühselig abtrainieren müssen und die womöglich noch seinen Zähnen schadet.

 


Ich wollte den Winzling immer hübsch und farblich aufeinander abgestimmt anziehen.

 

 


Ich gehe täglich möglichst schon vor dem Frühstück eine ganz große Runde mit dem Winzling im Kinderwagen spazieren. Das tut ihm gut und ich werde meine überschüssigen Pfunde schnell los.

 


Ich wollte mit dem Winzling möglichst schnell einen ritualisierten Tagesablauf haben.

 


Ich wollte viel mit dem Winzling unternehmen, mich morgens mit anderen Mamis im Kaffee treffen, durch die noch leere Stadt bummeln und Ausflüge machen.

 

 


Ich wollte nicht so eine Gluckenmama werden und den Kleinen auch mal abgeben. Auf jeden Fall wollte ich weiterhin auch hin und wieder die Zweisamkeit mit meinem Mann genießen und den Winzling auch mal woanders übernachten lassen.

Realität

Mittlerweile haben wir Schnuller von allen bekannten Marken und verlassen NIE ohne Schnuller das Haus. Beim Schlafengehen liegen mindestens zwei Schnuller an Winzlings Bett (einer könnte ja runterfallen).


Jetzt bin ich froh, wenn der Winzling Kleidung trägt, die nicht vollgespuckt oder schlimmeres ist. Oft muss ich ihn noch kurzfristig umziehen, so kommt es plötzlich vor, dass er von oben bis unten in einem fröhlichen grau gekleidet ist.


Morgens bin ich so schlapp von der Nacht, dass ich unbedingt erstmal ein großes Müsli mit Obst und einen Kaffee brauche. Dass der Winzling so viel schreit und oft überhaupt keine Lust hat im Kinderwagen zu liegen, hätte ich vorher nie gedacht.


Der gesamte Tagesablauf richtete sich in den ersten drei Monaten fast ausschließlich nach ihm. Im ersten Monat war ich froh, dass ich immerhin Tag und Nacht auseinanderhalten konnte.


Ich wusste einfach nicht, wie es mit einem kleinen Baby wird. Teilweise standen wir schon angezogen in der Tür und der Kleine schrie so viel, dass ich keine Energie mehr hatte, uns wieder umzog und wir zuhause blieben. Vom Bummeln sind wir noch immer entfernt (ein Hoch auf das online shopping).


Es fällt mir teilweise sehr schwer den Kleinen abzugeben. Wenn die Oma allein mit ihm spaziert, vermisse ich ihn schon und mir graut es jetzt schon davor, wenn er zum ersten Mal woanders übernachtet und er Nachts nicht neben mir liegt.


 

Inzwischen macht es mir oft nichts mehr aus, dass wir die Vorsätze nicht einhalten konnten. Unser kleiner Winzling musste erstmal auf der Welt ankommen und dabei wollten wir ihn so gut wir konnten unterstützen. Mittlerweile sind die ersten drei Monate vorbei, wir haben schon ein paar Rituale eingeführt, ich war schon häufiger mit anderen Mamis frühstücken und der kleine Winzling war auch häufiger schon schön passend angezogen, es wird also alles besser.

Außerdem werde ich meine nächsten Vorsätze ja sowieso einhalten, so wird mein Winzling NIE im Supermarkt ausrasten, weil er etwas nicht bekommt (ich werde ja konsequent sein), er wird ausschließlich gesunde und selbstgekochte Beikost zu sich nehmen und nach dem Stillen werde ich auf JEDEN Fall abnehmen….

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Kommentare: 2
  • #1

    Claudi (Donnerstag, 18 August 2016 14:57)

    Was habe ich gelacht! Genau so und nicht anders sieht die Babyrealität aus.
    Ich dachte mir als Nicht-Mami immer: Warum kann das Kind nicht hinten im Auto alleine sitzen? Wie lächerlich sich als Erwachsener nach hinten zu setzen.
    Mein Stammplatz, seit unsere fast 9monatealte Motte da ist, hinten links. :-D

  • #2

    Caro (Montag, 29 August 2016 08:29)

    Oh ja, da hast du Recht ;o). Wenn mein Mann und ich gemeinsam im Auto fahren, versuche ich immer wieder, erst auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Unterwegs müssen wir dann oft halten und ich gehe wieder nach hinten zum Kleinen.