Schwanger werden - aber wie?

Nein - ich hab beim Sexualkundeunterricht aufgepasst und auch fleißig die wichtigsten Seiten der Bravo gelesen - theoretisch weiß ich also wie man schwanger wird. Nur was in der Theorie verstanden ist, wird ja nicht automatisch in der Praxis umgesetzt.

Da verhütet man jahrelang, um nicht schwanger zu werden und als wir uns dann endlich entscheiden: „Jetzt könnte der geeignete Zeitpunkt sein, um ein Kind zu bekommen“ , klappt es nicht.

Hätte ich gewusst, dass es so schwer ist, schwanger zu werden, hätte ich mir viele schlaflose Nächte wegen vergessener oder zu spät eingenommener Verhütungspillen sparen können.

Aber mal ehrlich, was muten wir unserem Körper da zu? Da soll die Eizelle 30 Jahre lang Däumchen drehen und sich nicht in die Nähe der Gebärmutter wagen und dann - wenn endlich der Gedanke einmal gefasst ist - dies möglichst innerhalb eines Monats nachholen?

Erst als mein Mann und ich uns ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzten erfahren wir, dass ein Paar im Schnitt 8 Monate braucht, um Schwanger zu werden.

Natürlich wollen wir uns da nicht unter Druck setzen – natürlich nicht ….

Schon zwei Monate später haben wir die ersten Ovulationstests gekauft, haben zum jeweils erstmöglichen Zeitpunkt einen Schwangerschaftstest gemacht und natürlich haben wir viel, viel geübt .

Und -  was sollen wir sagen, fünf Monate später ist es dann auch endlich passiert. Der Schwangerschaftstest ist positiv und uns erwarten unglaublich spannende, nervenaufreibende, Körper verändernde und Leben auf den Kopf stellende 40 Wochen.

Schwanger werden ist schon schwer -            Schwanger sein aber noch mehr

Achtung: Schwangere Frauen sind glücklich, voller positiver Hormone, sehen einfach unbeschreiblich strahlend und wunderschön aus. Sie sind außerordentlich dankbar und voller Vorfreude auf das bevorstehende kleine Wunder in ihrem Bauch…

Wer diese Sätze glaubt und dies gerne weiterhin tun will, sollte jetzt nicht weiterlesen…

1 – 3  Monat

Der Zeitpunkt des positiven Schwangerschaftstest war nicht gerade der beste. Zwei Monate waren meine Tage schon überfällig. Dennoch zeigte mir bis dahin jeder Schwangerschaft, dass ich nicht schwanger sei und sogar der Bluttest beim Arzt war negativ. Ohne Eisprung also keine Schwangerschaft – dachte ich.

Vorsichtshalber machte ich eine Woche vor dem lang ersehnten jährlichen Volksfest nochmal einen Schwangerschaftstest, der – unfassbar – zu unserer Überraschung positiv ausfiel. Wir freuten uns natürlich unglaublich darüber, wir hatten ja schon länger darauf hingearbeitet, endlich sollte unser Wunsch von einem kleinen Wesen in Erfüllung gehen. Der schon gekaufte Sekt für das Fest musste allerdings noch länger im Kühlschrank bleiben…

In den ersten Wochen der Schwangerschaft entwickelte ich eine Abneigung gegen verschiedene, von mir bis dahin geliebte Dinge, verschiedene Cremes und Parfum mussten ausgetauscht werden, Fertigprodukte bescherten mir Brechreiz, Alkohol und Zigaretten musste ich nur sehen und schon wurde mir schlecht (was meiner und der Gesundheit des Winzlings natürlich sehr entgegen kam – schlau, so ein Körper). Abends war mir häufig übel und ich musste mich regelmäßig übergeben.

Als Entschädigung gegen diese Abneigungen bekam ich HUNGER, Frozen Joghurt, Müsli, Pizza, Pasta, Schokolade, nichts war vor mir sicher. So musste ich auch zahlreiche Zwischenmahlzeiten einführen, um nicht Opfer der Übelkeit zu werden und dem Magen bei Laune zu halten. So gab es die Zwiebackpause zwischen Frühstück und zweitem Frühstück, das Nachmittagsmarmeladenbrot und das abendliche Müsli, quasi als Nachtisch vom Abendessen. Die Retour für die zahlreichen Mahlzeiten schlugen sich schnell auf dem Zeiger meiner Waage nieder, was die Schwangerschaft nicht gerade leichter machte. Bauch, Rücken und vor allem die Brüste gewannen schnell an Umfang, sodass Jacken, Blusen und BHs schon nach den ersten Schwangerschaftswochen und vor der offiziellen Bekanntgabe ausgetauscht werden mussten.

4-6 Monat

Vor meiner Schwangerschaft konnte ich einfach nicht verstehen, wie sich manche Frauen über die zusätzlichen Pfunde während der Schwangerschaft ärgern konnten - schließlich waren die Zusatzkilos für die schönste Sache der Welt. Natürlich gehörte aber gerade ich ganz besonders zu diesen Frauen die sich über ihr Gewicht aufregten. Der morgendliche Blick auf die Wage bescherte mir Panik. Mir tat es um jedes Kleidungsstück leid, in das ich nicht mehr passte und im Hinblick auf den bevorstehenden Umzug bereits in dieser Zeit aus dem Kleiderschrank verbannen musste. Dabei waren es - zur Freude meines Mannes - besonders meine Brüste, die ins unermessliche wuchsen und sich locker nochmal um zwei BH Größen vergrößerten. Ich konnte gar nicht so schnell BHs nachkaufen, wie meine Brüste wuchsen und schämte mich beim Kauf über die hässlichen Minimizer, während neben mir an der Kasse ein Mann sexy Dessous für seine Geliebte kaufte. Ich hatte das Gefühl, noch nicht richtig als schwangere, dafür aber als übergewichtige Frau wahrgenommen zu werden, was vor allem rückblickend totaler Quatsch ist und mir natürlich permanent von meinem Umfeld bestätigt wurde, aber... eine mit Hormonen vollgepumpte Frau sieht eben nur das, was sie sehen will.

Immerhin verschwand in dieser Zeit die Übelkeit und ich musste mich nicht mehr übergeben  - der Hunger aber blieb, veränderte sich aber immerhin auf Ofengemüse, Äpfel, und wie immer Müsli und Schokolade.

Ich freute mich jede Woche darüber, was in meinem Bauch passierte, und las wissenshungrig, in welchem Stadion sich der kleine Winzling jeweils befand. Die Besuche beim Frauenarzt wurden zu einem Höhepunkt meiner Monate und ich war glücklich, als Privatpatientin regelmäßig eine Ultraschalluntersuchung machen zu können.

Leider vermisste ich bereits jetzt mein "altes" Leben und hatte Dummerweise oft das Gefühl, unglaublich viel aufgegeben zu haben, statt mich auf das zu freuen, was die Zukunft für mich bereit hielt.

7-9 Monat

Die letzten Monate waren für mich - entgegen der gängigen Praxis - die schönsten Monate der Schwangerschaft. Auch wenn ich schon längst genug Pfunde drauf hatte, fühlte ich mich erst jetzt so richtig schwanger. Endlich spürte ich das kleine Wesen in meinem Bauch ganz doll, wenn es gegen meinen Bauch trat oder Schluckauf hatte. Fremde Menschen reagierten freundlich auf meinen Anblick, lächelten oder hielten mir die Tür auf. Da mein Mann und ich nun eine neuen Wohnung gefunden hatten, konnte ich endlich das Babyzimmer einrichten und alles für das Baby einkaufen. Endlich hatte ich meinen Stil als Schwangere Frau gefunden (ein fröhliches schwarz), hatte meinen Kleiderschrank auf XXXL und Strickjacken umgestellt. Ich konnte jetzt mit anderen Muttis und Schwangeren kommunizieren und wusste, was ET oder MuMu bedeutete. Ich fühlte mich wohl, hatte außer der Gewichtszunahme und Trägheit keinerlei Schwangerschaftsbeschwerden und dann begann auch noch der Mutterschutz... eine wundervolle Zeit, in der ich wirklich mal nichts tun musste. Selbst wenn ich nur die Fenster putzte hieß es: "Aber pass auf, dass du nicht zu viel machst.", beim Einkaufen wurden mir die Tüten abgenommen und selbst die Autotür wurde mir hin und wieder aufgehalten (es war aber auch schwer, aus dem Auto zu steigen), ich traf mich mit den anderen Schwangeren aus dem Geburtsvorbereitungskurs zum Frühstück (natürlich zum Buffet, denn ich hatte noch immer Hunger) und oft saßen wir bis Mittags da. Ich genoss die Zeit wirklich sehr. Nur als der Termin der Geburt dann endlich näher rückte und dann auch noch um ein paar Tage überschritten wurde, hielt ich es nicht mehr aus.

Doch dann passierte ja auch endlich das kleine Wunder und der Winzling kam auf die Welt!